Kostendruck und Einsparzwänge der Call Center wecken offenbar die kreativen Geister von Seminaranbietern. Für eine Flatrate
von 299,- Euro im Monat pro Unternehmen, werden 34 Seminare angeboten.
Dabei spielt es keine Rolle, ob ein oder 500 Mitarbeiter eines Unternehmens die Seminare „besuchen“, bzw. online verfolgen
- denn sie finden nicht persönlich, von Angesicht zu Angesicht statt - sondern virtuell im Internet.
Gleichzeitig am Monitor und am Telefon erlebt der Seminarteilnehmer ein bis zu zweistündiges Seminar mit einem Dozenten, der
die Kommunikations- und Verkaufstrainings durchführt.
Vielleicht ist die günstige Flatrate verlockend, was den Preis angeht – aber ob der gewünschte Effekt eintritt, den ein Seminar üblicherweise hat, nämlich die Verhaltensweisen der Mitarbeiter zu trainieren, ist mehr als fraglich. Distance-Learning ist zweifelsohne sinnvoll, wenn es gilt Wissen und Fakten zu vermitteln, aber verhaltensändernde Effekte per Telefon mit unterstützenden Folien am Bildschirm?
Man darf zweifeln. „Billig“ ohne „Gut“ ist eben kein überzeugendes Angebot. Denn: Das Trainieren von Verhaltensweisen ist bei dieser Art Seminar schier unmöglich. Interaktion und Feedback gibt es zwar per e-mail und Telefon (nach entsprechender Freischaltung eines Zuhörers durch Klick auf einen speziellen Button) - bei bis zu 200 Teilnehmern pro Seminar undenkbar – direkte Übungen bzw. Rollenspiele sind gar nicht möglich.
Darüber hinaus: Die Frage der Nachhaltigkeit stellt sich gar nicht erst - es gibt nämlich keine Seminarunterlagen, die ein späteres Nacharbeiten ermöglichen. Der Seminarteilnehmer kann also, während er in der einen Hand das Telefon hält, mit der anderen Hand die Inhalte mitschreiben, oder er schaut sich das zweistündige Seminar bei Bedarf noch einmal an.
Ein nicht nur umständliches und zeitaufwändiges Unterfangen, sondern unter didaktischen Gesichtspunkten auch ineffektiv. Man kann gespannt sein, was den „Kreativen“ der Call Center-Branche in Zukunft noch alles einfällt - und vor allem - wie lange sich diese Discounter-Angebote im Markt halten können.