Wolfgang Wiencke
Geschäftsführer
profiTel-consultpartner
Nach mehr als 20 Jahren aktiver, produktiver und engagierter Mitgliedschaft verlässt profiTel den Deutschen Direktmarketing Verband (DDV). Ein Entschluss, der keinesfalls leichtfertig gefallen ist – sondern eine unausweichliche Konsequenz der jahrelangen Misere beim DDV. Fünf gute Gründe haben uns zu dieser Entscheidung bewogen – und andere Unternehmen werden den gleichen Weg gehen.
Erfolglose Lobbyarbeit:
Die Darstellung der vermeintlich auf Hochtouren laufenden Lobbyarbeit grenzt ans Unerträgliche. Es wird kolportiert, die Lobbyarbeit geschehe hinter den Kulissen. Fakt ist, dass auch hinter den Kulissen nichts bewirkt wurde, wie die erfolgreichen Initiativen von Verbraucherschützern, der Bundesjustizministerin Brigitte Zypries sowie Verbraucherschutzminister Horst Seehofer eindrucksvoll belegen.
Verbandsführung nach Gutsherrenart:
Es erfolgt keinerlei Abstimmung darüber, welche politischen Standpunkte der DDV in der Call Center-Debatte öffentlich vertritt. Weder die Council-Mitglieder, noch der Council-Vorsitzende werden informiert, geschweige denn nach ihrer Meinung gefragt. Stattdessen werden nach eigenem Gutdünken Stellungnahmen und Statements formuliert. Seit über zwei Jahren liegt die Arbeitsgemeinschaft PR des Councils TeleMedien- und CallCenter-Services brach. Eine nachvollziehbare Rechenschaft darüber, was mit dem Budget dieser AG geschieht oder geschehen ist, wird nicht abgelegt.
Der DDV tut für die Branche und seine Mitglieder praktisch nichts:
Abgesehen von zwei bis drei Council-Sitzungen pro Jahr bietet der DDV den Mitgliedern des Councils TeleMedien- und CallCenter-Services keinerlei Nutzen. Gegen alle Ankündigungen und entgegen einem festen Beschluss des Councils wurde z.B. keine zweite Auftraggeberkonferenz veranstaltet. Auch die beschlossenen Maßnahmen zur Pflege, Entwicklung und Förderung der Zertifizierung Total Quality Excellence (TQE) wurden niemals umgesetzt, das Engagement für TQE sogar mit offiziellem Schreiben als beendet und nicht mehr wünschenswert erklärt. Das Engagement seitens des Verbandes lag bei null – wenn man davon absieht, dass sich der DDV eine Zeitlang ebenso selbstgefällig wie öffentlichkeitswirksam im Glanz der Qualitätsoffensive sonnte.
Der DDV stellt Eigeninteresse vor Brancheninteresse:
Obwohl sich die Mehrheit des Councils TeleMedien- und CallCenter-Services zumindest für eine enge Kooperation und in Teilen sogar für einen Zusammenschluss mit der Branchenvereinigung Call Center Forum (CCF) ausgesprochen und verschiedene Arbeitsgemeinschaften die Zusammenarbeit schon so gut wie besiegelt hatten, ist die Zusammenarbeit kurzfristig und überraschend an zwei DDV-Verbandsfunktionären gescheitert. Die Gründe: Existenzangst, Selbstgefälligkeit und Machterhalt. Der DDV fürchtete um seinen – ohnehin fragwürdigen – Einfluss und opferte dafür die dringend notwendige Stärkung der Call Center-Branche. Nur eine Konsequenz: DDV, CCF und KID liefern sich einen Wettbewerb, wer denn nun die bessere Lobbyarbeit betreibe und verpulvern z.B. munter Geld für aufwändige Image-Kampagnen, die mit Sicherheit wirkungslos verpuffen werden: Eine relevante Meinungsbeeinflussung erhält man nicht für ein Mediabudget von 200.000 EURO.
Der DDV stellt sich nicht der Realität:
In der Verbandsführung wird die größtenteils berechtigte Kritik seitens der Verbraucherschützer gern klein- oder schöngeredet. Zu drastischen Maßnahmen gegenüber unseriös arbeitenden Mitgliedsunternehmen kann sich der DDV nicht durchringen. Und so existiert weder eine Strafbewehrung des Ehrenkodexes, noch eine deutliche Verpflichtung auf den sorgsamen Umgang mit Permission-Adressen oder ein Verbot der Rufnummernunterdrückung.
Fazit:
Weil der DDV seine eigenen Interessen vor die sinnvollen, notwendigen und auch von den Council-T-Mitgliedern gewünschten Sach- und Brancheninteressen stellt, fehlt die Grundlage für eine weitere Mitgliedschaft. Der DDV war für viele Jahre ein gutes und sinnvolles Auffangbecken für Call Center- und Telemarketing-Unternehmen. Aber die Branche hat sich geändert: Sie hat eine homogene, schlagkräftige und aktive Branchenvertretung verdient. profiTel wird ihre Mitgliedsbeiträge und ihr Sponsorship künftig dort investieren, wo eine wesentlich größere Zahl Mitglieder und über 50 Prozent der deutschen Call Center-Arbeitsplätze repräsentiert sind und eine Verbandsaktivität und -qualität garantiert sind, die die Aktivitäten des DDV für sein fünftes Rad am Wagen – die Call Center-Branche – um Längen schlagen wird: in das Call Center Forum.